Frühdienst, 13:40 Uhr. In fünf Minuten ist Übergabe, und der Satz über die Bewohnerin, die heute kaum etwas gegessen hat, klingt im Kopf noch holprig. Wer in so einem Moment einen KI-Chat öffnet, tippt meistens etwas wie „mach das besser“. Was zurückkommt, ist oft zu lang, zu steif oder schlicht nicht das, was man sagen wollte. Gut gebaute KI-Prompts für die Pflege machen daraus in einer Minute einen Satz, den man in der Übergabe wirklich so sagen kann. Mission Babylon sammelt solche Vorlagen in der Prompt-Bibliothek: 75 Prompts zum Kopieren, frei nutzbar und ohne Anmeldung.
Was ist ein Prompt überhaupt?
Ein Prompt ist die Anweisung, die Sie in einen KI-Chat schreiben. Mehr nicht.
Von dieser Anweisung hängt allerdings fast alles ab. Die KI weiß nicht, dass Sie in der Altenpflege arbeiten. Sie weiß nicht, dass gleich die Kollegin vom Spätdienst zuhört, dass Ihr Deutsch im Alltag gut trägt und nur bei Fachwörtern noch wackelt, oder dass im Bericht keine Umgangssprache stehen soll. Sie weiß nur, was im Prompt steht. Alles andere rät sie, und beim Raten liegt sie gern daneben.
Ein brauchbarer Prompt sagt der KI deshalb, welche Rolle sie einnehmen soll, was genau zu tun ist, worauf sie achten muss und wie das Ergebnis aussehen soll. Das kostet Nachdenken. Im Dienst ist dafür selten Zeit, und die Vorlagen in der Bibliothek nehmen Ihnen diesen Teil ab.
Warum eine eigene Prompt-Bibliothek für die Pflege?
Allgemeine Prompt-Sammlungen gibt es im Netz reichlich. Sie helfen beim Schreiben von Werbetexten, beim Planen einer Reise oder beim Zusammenfassen von Protokollen. Für eine Übergabe, eine höfliche Rückfrage an die Ärztin oder einen Lernplan für eine Auszubildende mit Deutsch als Zweitsprache taugen sie wenig.
In der Pflege kommt einiges zusammen, das eine allgemeine Vorlage nicht kennt. Da ist die Fachsprache, die selbst für Muttersprachler*innen eine eigene Sprache ist. Da ist der Datenschutz: Namen, Geburtsdaten und Diagnosen von Bewohner*innen haben in einem KI-Chat nichts verloren. Und da ist die Verantwortung. Eine KI darf beim Formulieren helfen. Über Pflegemaßnahmen, Medikamente oder Diagnosen entscheidet sie nicht, und viele Vorlagen in der Bibliothek schreiben ihr diese Grenze ausdrücklich hinein.
Dahinter steht eine Haltung, die das ganze Projekt trägt: Sprache darf kein Grund sein, gute Pflegekräfte zu verlieren. Wer fachlich stark ist und beim Formulieren unsicher, soll Hilfe bekommen, die in eine Pause passt und aufs Handy. KI ist dabei ein Werkzeug. Fachwissen, Erfahrung und eine gute Anleitung ersetzt sie nicht.
Wie sind die KI-Prompts für die Pflege aufgebaut?
Die Bibliothek spricht zwei Gruppen an. Pflegekräfte finden Vorlagen für das, was im Dienst ständig vorkommt: Übergabe und Dokumentation, Fachwörter und Abkürzungen verstehen, Gespräche vorbereiten und üben. Dazu kommen einige Prompts nur für Sie selbst, etwa wenn Sie höflich, aber klar eine Pause einfordern oder um einen Schichttausch bitten wollen.
Praxisanleiter*innen haben einen eigenen Bereich mit Vorlagen für Lernplanung, Lernmaterial, Wissenschecks sowie Anleitung und Feedback. Ein Beispiel ist der Prompt für einen Wochenlernplan zu einem Pflegethema, der Lernziele, Praxissituationen und Reflexionsfragen für jeden Tag als Tabelle liefert.
Jeder Prompt hat eine eigene Seite, und alle Seiten sind gleich aufgebaut:
- Situation: ein Satz dazu, wann der Prompt passt, zum Beispiel „Ich habe nur Stichpunkte notiert und muss daraus zusammenhängende Sätze für die mündliche Übergabe machen.“
- Prompt zum Kopieren: der fertige Text. Ihre eigenen Angaben kommen in die eckigen Klammern.
- Beispiel-Ergebnis: So ungefähr sieht eine brauchbare Antwort aus.
- Datenschutzampel: Was Sie eingeben dürfen und was nicht.
- Tipps für die Nutzung im Alltag.
Das Beispiel-Ergebnis lohnt einen zweiten Blick. Es zeigt, wie lang eine gute Antwort ungefähr ist und welchen Ton sie trifft. Liefert Ihr KI-Chat etwas völlig anderes, etwa zwei Seiten statt drei Sätzen, wissen Sie sofort, dass Sie nachsteuern sollten. Wer lieber von einer Alltagssituation ausgeht als von einer Kategorie, findet die Prompts übrigens auch im Toolnavigator, dort zusammen mit passenden Werkzeugen.
Bei den Prompts für Pflegekräfte steht zusätzlich ein Sprachniveau dabei, B1 oder B2. Eine B1-Vorlage bittet die KI um kurze, einfache Sätze. Eine B2-Vorlage verlangt sprachlich etwas mehr, zum Beispiel einen sachlichen Text für den Pflegebericht. In vielen Vorlagen für die Praxisanleitung tragen Sie das Sprachniveau der lernenden Person selbst ein.
Die Datenschutzampel in Kurzform
Grün heißt: ohne persönliche Daten frei nutzbar. Das gilt für die meisten Vorlagen, etwa für das tägliche Vokabeltraining Pflege, das Ihnen fünf neue Fachwörter mit Beispielsätzen und drei kurze Verständnisfragen liefert.
Gelb heißt: nur mit Erlaubnis und ohne Namen. Gelb sind vor allem Prompts, in die Sie einen Text aus Ihrem Betrieb einfügen, etwa wenn Sie eine Dienstanweisung in einfache Sprache übersetzen lassen. Verbindlich bleibt das Original.
Rot steht für echte Personendaten. Die gehören nie in einen KI-Chat. Rot markiert ist in der Bibliothek nur ein einziger Eintrag, und der zeigt genau diese Grenze: wie Sie einen Arztbrief verstehen, ohne ihn in die KI zu kopieren.
Wie nutze ich einen Prompt aus der Bibliothek?
Im Alltag sind es drei Handgriffe. Zuerst kopieren Sie den Prompt und fügen ihn in den KI-Chat ein, den Sie ohnehin nutzen. Die Vorlagen funktionieren in jedem gängigen KI-Chat, ein bestimmtes Programm brauchen Sie nicht.
Dann füllen Sie die Platzhalter. Alles, was in eckigen Klammern steht, ersetzen Sie durch Ihre eigenen Angaben. So sieht der Prompt aus, mit dem Sie Stichpunkte zu ganzen Sätzen machen:
Ich bin Pflegekraft und muss aus Stichpunkten vollständige Sätze für die mündliche Übergabe machen. Hier sind meine Stichpunkte: [meine Stichpunkte]. Formuliere daraus 3 bis 4 zusammenhängende, klare Sätze in gesprochener Übergabe-Sprache. Nutze „die Bewohnerin“ oder „der Bewohner“ statt Namen.
Aus [meine Stichpunkte] wird zum Beispiel: „vormittags unruhig, wenig geschlafen, mittags gut gegessen, Wunde li. Bein versorgt, unauffällig“. Kein Name, keine Zimmernummer, kein Geburtsdatum. Für einen guten Übergabe-Satz fehlt trotzdem nichts.
Zum Schluss prüfen Sie das Ergebnis, und dieser Schritt ist der wichtigste. Stimmt der Inhalt noch? Hat die KI etwas ergänzt, das so nicht passiert ist? Würden Sie den Satz genau so sagen? KI-Antworten klingen oft sicherer, als sie sind. Was Sie übergeben oder dokumentieren, verantworten Sie selbst.
Passt die Antwort noch nicht ganz, schreiben Sie einfach weiter: „kürzer, bitte“ oder „einfacher, auf B1“. Neu anfangen müssen Sie deshalb nicht.
Einzelne Bereiche der Bibliothek stellen wir in weiteren Beiträgen dieser Serie genauer vor: die Prompts für Praxisanleiter*innen, das Deutschlernen mit Fachsprache, Übergabe und Gesprächen, die Datenschutzampel im Detail und die Frage, wie Sie selbst einen guten Prompt schreiben.
Am besten probieren Sie es gleich aus, mit einer Situation aus Ihrem letzten Dienst und einem erfundenen Beispiel. Die Prompt-Bibliothek von Mission Babylon ist nach Zielgruppe und Kategorie sortiert. Suchen Sie sich einen Prompt aus, kopieren Sie ihn und schauen Sie, was die KI daraus macht.
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