Ausgangslage
Warum es Mission Babylon braucht
Studien zeigen: Viele Pflegekräfte würden ihre Stunden aufstocken oder in den Beruf zurückkehren, wenn sich die Arbeitsbedingungen spürbar verbessern. Ganz oben auf der Wunschliste stehen zwei Bedingungen, die das Miteinander im Team betreffen:
Fairer Umgang unter Kolleg*innen
In der Altenpflege hat rund ein Drittel der Beschäftigten eine eigene oder familiäre Einwanderungsgeschichte. Besonders stark gestiegen ist in den letzten Jahren der Anteil der Beschäftigten, die selbst aus dem Ausland nach Deutschland eingewandert sind. Damit sind Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte für die Versorgung in Deutschland unverzichtbar. Gleichzeitig fehlen in vielen Einrichtungen noch Maßnahmen für ein inklusives und faires Arbeitsumfeld. Insbesondere weibliche Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte können dadurch einem erhöhten Risiko für „horizontale Feindseligkeit“ ausgesetzt sein. Die Folgen können von Motivationsverlust bis hin zu längeren Krankheitszeiten reichen.
Horizontale Feindseligkeit bezeichnet offen oder subtil ausgeübte Feindseligkeit unter Kolleg*innen auf derselben Hierarchieebene. Besonders in Berufen mit chronischem Personalmangel können Arbeitsüberlastung, Zeitdruck, Frustration und fehlende Ressourcen solche Konflikte begünstigen. Der entstehende Druck richtet sich dabei oft nicht gegen die belastenden Arbeitsbedingungen, sondern wird innerhalb des Teams weitergegeben.
Wertschätzende Anleitung
Für die Pflege sind Praxisanleiteri:nnen von zentraler Bedeutung. Als Ansprechpersonen für Auszubildende, Weiterbildungsteilnehmende und neue Mitarbeitende prägen sie das Lernen und die Integration neuer Kolleg:innen sowie das Teamklima und die Arbeitsatmosphäre. Sie sind damit eine wichtige Stütze für die gesamte Belegschaft. In der Praxis können sie dieser wichtigen Rolle jedoch nicht immer gerecht werden. Neben Zeitmangel sind fehlende Qualifikationen für die anspruchsvolle Arbeit mit zunehmend vielfältigen Teams oft ein Grund dafür.
Projektziele
Vier Ziele, ein inklusives Arbeitsumfeld
Betriebe sensibilisieren
Pflegebetriebe werden in Erstgesprächen und leitfadengestützten Interviews für die spezifischen Herausforderungen weiblicher Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte sensibilisiert.
Führungskräfte & Praxisanleiter*innen befähigen
Betriebsvertreter*innen – vor allem Praxisanleiter*innen und Lots*innen – werden durch berufspädagogische Weiterbildungen für die Anforderungen der Arbeit mit kulturell diversen Teams qualifiziert.
Frauen stärken
Weibliche Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte werden durch Empowerment-Workshops, Schulungen und durch moderierte Dialoggruppen im betrieblichen Integrationsprozess gestärkt.
KI-Kompetenz aufbauen
Beide Zielgruppen lernen den gezielten und reflektierten Einsatz Künstlicher Intelligenz: Insbesondere zum Abbau von Sprachbarrieren im Pflegealltag bzw. Erstellung diversitätssensibler, individuell zugeschnittener Lernmaterialien und Lernpläne.