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Mission Babylon: Was hinter dem Namen steckt und was das Projekt plant

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Der Turmbau zu Babel. Ein Turm, der sonst meist als Warnung erzählt wird, steht hier für etwas anderes. Warum das Projekt Mission Babylon heißt, was die echte Stadt Babylon hinterlassen hat und was das Projekt in den nächsten zwei Jahren plant.


Nachtdienst in einem Pflegeheim im Ruhrgebiet. Auf dem Flur werden in dieser Nacht vier Sprachen gesprochen, in der Übergabe am Morgen nur eine. Die Bewohnerin auf Zimmer 12 wird von einer Kollegin beruhigt, die ihre Muttersprache spricht, und die Dokumentation schreibt jemand, der Deutsch erst mit 28 gelernt hat. Es funktioniert. Solche Nächte gibt es überall, sie tauchen nur in keiner Statistik auf.

In einer Statistik taucht allerdings auf, wie normal sie geworden sind. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2024 hat ein Drittel (33 Prozent) der Beschäftigten in der Altenpflege eine Einwanderungsgeschichte. In Alten- und Pflegeheimen liegt der Anteil bei 32 Prozent. Als Einwanderungsgeschichte zählt das Statistische Bundesamt, wenn jemand selbst oder beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind. Die Pflege ist also nicht einfach ein Beruf mit vielen Kolleginnen aus dem Ausland. Sie ist einer der Bereiche, in denen Vielfalt der Normalfall ist.

Die Stadt Babylon

Die meisten Menschen kennen den Namen Babylon vermutlich aus der Bibel. Die Stadt selbst ist aber viel älter und interessanter. Vor mehr als 4000 Jahren entstand sie an den fruchtbaren Ufern des Euphrat, in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris. Sie wuchs zur größten Stadt des Altertums, geschätzte 200.000 Menschen lebten dort. Forschende nennen die Region die Wiege unserer Zivilisation, weil hier die ältesten Städte, der früheste nachgewiesene Ackerbau und die erste Viehzucht belegt sind.

Was von dort kommt, benutzen wir bis heute, meist ohne es zu wissen. Die Babylonier vereinfachten die Keilschrift, die Grundlage aller späteren Schriftsysteme Vorderasiens. Auch Grundlagen der Mathematik wurden hier gelegt. Sie beobachteten die Sterne, teilten das Jahr in zwölf Abschnitte und unterschieden bei der Zeitrechnung zwischen Stunden und Minuten, so wie wir.

Und sie bauten. Der siebenstufige Tempelturm Etemenanki war eines der höchsten Bauwerke der Antike und das reale Vorbild für den biblischen Turm zu Babel. Das Ischtar-Tor aus glasierten Ziegeln steht heute im Berliner Pergamonmuseum, aus vielen tausend Bruchstücken rekonstruiert, die deutsche Archäologen bei den Ausgrabungen fanden. Seit 2019 ist die Ruinenstadt Babylon UNESCO-Welterbe.

Wenn über die antike Stadt gesprochen wird, geht es also um Reichtum und kulturelle Vielfalt. Genau so liest das Projekt den Namen. Und daher Babylonia, das Maskottchen: ein kleiner Turm mit Gesicht, der auf der Website begrüßt, blinzelt und den Daumen hebt. Babylonia ist bewusst kein Mensch. Ein Turm gehört niemandem allein, er wird gemeinsam gebaut, und er trägt nur, wenn die Steine aufeinander passen. Das ist einer der Ideen, die hinter dem Projekt steht: Ein Pflegeteam mit vier Sprachen ist nicht das Problem, sondern eine Ressource.

Was das Projekt vorhat

Das Projekt arbeitet an drei Stellen. Führungskräfte und Praxisanleitende bekommen eine berufspädagogische Weiterbildung zum Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt. Weibliche Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte werden in Workshops und moderierten Dialoggruppen gestärkt. Und beide Gruppen lernen, Künstliche Intelligenz im Pflegealltag gezielt und reflektiert einzusetzen, für die einen vor allem zum Abbau von Sprachbarrieren, für die anderen zum Erstellen von Lernmaterial, das zu den Menschen passt, die damit arbeiten. Mehr dazu unter „Angebote“.

Wie die Mission Babylon verläuft, wird dieser Blog in den nächsten Monaten dokumentieren, zusammen mit Erkenntnissen aus der Forschung zu den Themen, um die es in dem Projekt geht. Babylonia bleibt dabei und hält sie immer auf dem Laufenden.


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